Liebe Leserinnen und Leser, wie Sie wissen, wird das 50-jährige Jubiläum der türkischen Gastarbeiter in Deutschland gefeiert. Die aus Anatolien stammenden Menschen haben in Deutschland gearbeitet und sich ein neues geregeltes Leben geschaffen bzw. versucht zu schaffen. Alle Gastarbeiter oder eher gesagt 99 Prozent hatten immer den Plan, zurückzukehren. Leider ist es nicht so gekommen, wie sie gedacht haben. Kinder sind geboren und groß geworden, haben mit der Schule angefangen, einen Beruf ergriffen und geheiratet. Die meisten dieser Kinder haben ihren Partner in der Türkei gefunden und geheiratet. Manche dieser Ehen haben Probleme mit sich gebracht. Davon möchte ich erzählen.
Wenn eine in Deutschland geborene und aufgewachsene Person, d.h. ein Jugendlicher mit deutscher Kultur, jemanden aus der Türkei heiratet, entstehen Schwierigkeiten. Unsere Jugendlichen sind sich dessen leider nicht bewusst. Umso wichtiger ist es, dass sich junge Menschen, bevor sie heiraten, drei Fragen zu ihrem zukünftigen Ehepartner aus der Türkei stellen:
1. Geht die Person, die ich heiraten will, diese Ehe wegen mir oder wegen Deutschland ein?
2. Kann die Person, die ich heiraten werde, sich meinem neuen Umfeld anpassen?
3. Wird sie die deutsche Sprache lernen können?
Die erste Frage ist im Vorfeld sicherlich schwer zu beantworten, doch bei den Fragen 2 und 3 wird sich die Mehrheit sicher sein und sie mit „Ja“ beantworten.
Alles scheint dafür zu sprechen, sich den Partner fürs Leben in der Türkei zu suchen. Ein in Deutschland lebender türkeistämmiger Mann ist der Ansicht: „Mir wird es am besten gehen, wenn ich eine Frau aus der Türkei heirate.“ Oft stellt sich das als Irrglaube heraus. Derselbe Mann war von Kind an jahrelang für seine Eltern der Dolmetscher. Jetzt kommt seine Ehefrau aus der Türkei und kann ebenfalls kein Deutsch. Sie versucht, es zu lernen, aber es klappt nicht. Später wird ein Kind geboren. Die Frau kümmert sich um Haushalt und Kinder. Der Mann wird auch ihr Dolmetscher. Neben den Angelegenheiten seiner Frau muss er sich auch mit den Schulaufgaben der Kinder und behördlichem Papierkram beschäftigen. Zugleich muss er seiner Arbeit nachgehen. Die Verantwortung des Mannes steigt von Tag zu Tag. Die Probleme beginnen. Nicht selten kommt es zu Scheidungen. Dann wird die Lage der Ehefrauen noch schwieriger, denn sie haben keinen Beruf und können kein Deutsch.
Die Probleme der aus der Türkei nach Deutschland ziehenden Bräutigame sind anders. Wenn sie kommen, d.h. wenn die Familie zusammengeführt wird, arbeitet die neue Ehefrau oft längst. Im Gegensatz dazu hat der Mann keine Arbeit, ist auf das Geld der Frau angewiesen. Die Frau kümmert sich um das Haus, verdient Geld, kümmert sich um die Kinder und den Papierkram. Daran gehen aus der Türkei kommende Bräutigame zugrunde. Sie mögen ihre Ehefrau noch so sehr lieben, die Probleme sind unvermeidbar und bringen nicht selten einen psychischen Zusammenbruch mit sich. Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten der aus der Türkei Verheirateten in Deutschland keine nahen Verwandten haben und sich infolge dessen hier sehr einsam fühlen.
Die Ehe ist heutzutage, liebe Eltern, eine große Verantwortung – das wissen wir alle. Aber wie sehr Ihre Kinder auch Türken sind, so sehr sind sie eigentlich auch Deutsche, weil sie mit deutscher Kultur um sie herum groß geworden sind. Helft ihnen, dies vor der Eheschließung zu erkennen.
Hatice Çakir







